Walschutz
Die Weltmeere stehen aufgrund menschlicher Aktivitäten unter einem noch nie dagewesenen Druck. Überfischung, Umweltverschmutzung, Verlust der Artenvielfalt und die sich beschleunigenden Auswirkungen der Klimakrise bringen die marinen Ökosysteme an ihre Grenzen.
Wale spielen eine essenzielle Rolle für die Erhaltung gesunder Ozeane: Sie verteilen Nährstoffe, fördern das Wachstum von Phytoplankton und stabilisieren Nahrungsnetze. Außerdem tragen sie zur Regulierung des Klimas bei, indem sie die Fähigkeit der Ozeane zur Speicherung von Kohlenstoff verbessern. Selbst nach ihrem Tod leisten Wale noch einen Beitrag für eine funktionierende Meeresumwelt: Wenn ihre Körper auf den Meeresgrund sinken, bilden sie Reservoire („whale falls“), die jahrzehntelang Tiefseeorganismen ernähren und ganze Ökosysteme in der Tiefsee bilden.
Gleichzeitig unterstützen gesunde Wal-Populationen eine florierende Ökotourismusbranche an den Küsten und generieren in mehr als 120 Ländern weltweit Milliarden an nachhaltigen Einnahmen aus Wal-Beobachtungen, an denen sich Millionen von Menschen erfreuen.
Kommerzieller Walfang ist grausam, überflüssig und nicht nachhaltig.
Wale sind empfindungsfähige, hochintelligente Wesen mit einem facettenreichen Sozialleben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Wale zu komplexer Kommunikation fähig sind, wobei einige Arten sogar eigene Sprachen und Dialekte entwickelt haben. Sie gehen langfristige soziale Bindungen ein, geben Wissen über Generationen hinweg weiter und zeigen Verhaltensweisen, die eindeutig auf eine Form von Kultur hindeuten. Es gibt Belege dafür, dass Wale um ihre toten Artgenossen trauern, verletzte Individuen unterstützen und sogar verwaiste Kälber anderer Arten adoptieren. Einige verwenden sogar Werkzeuge, kooperieren strategisch und zeigen Empathie – Eigenschaften, die wir mit fortgeschrittener Kognition assoziieren. Die Fortsetzung der Jagd auf solche Lebewesen aus kommerziellen Gründen wirft tiefgreifende ethische Fragen auf.
Kommerzieller Walfang verursacht extremes Leiden. Schwere Verletzungen, minuten- oder sogar stundenlange Qualen nach dem Harpunieren sowie der Tod zahlreicher ungeborener Kälber, sind keine seltenen Ausnahmen, sondern dokumentierte Realität.
Obwohl die Walfang-Industrie in Norwegen und Japan höhere Quoten anstrebt, bleibt die Nachfrage nach Walfleisch in diesen Walfang-Ländern gering. Selbst in Japan, dem Hauptmarkt für Walfleisch-Produkte, stagniert die Nachfrage.
Zunehmende Bedrohungen setzen Wale unter immer größeren Druck
Die Bedrohungen für das Leben im Meer nehmen heutzutage rapide zu. Lärmbelästigung, Verschmutzung durch Plastik und Chemikalien, Überfischung, Beifang, Schiffskollisionen und steigende Meerestemperaturen setzen Wale und unzählige andere Arten bereits unter enormen Druck. Zweifellos muss die Menschheit all diese Herausforderungen dringend angehen. Eine Bedrohung jedoch, die leicht beseitigt werden kann und eigentlich schon seit vierzig Jahren vollständig beseitigt sein sollte, ist der kommerzielle Walfang.
Mit zunehmendem wissenschaftlichem Verständnis für die Gefahren, denen die Wal-Populationen ausgesetzt sind, hat sich auch die Rolle der IWC gewandelt. Heute konzentriert sich die IWC in erster Linie auf den Schutz der Wale, die wissenschaftliche Bewertung ihrer Populationen und die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der größten Bedrohungen für ihren Erhalt.
Die Welt sieht sich einer globalen Krise des Klimawandels, Verlusts der Artenvielfalt und Zusammenbruchs der Ökosysteme gegenüber – einer Krise, die durch menschliches Handeln verursacht wurde. Wale sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. In einer Zeit, in der widerstandsfähige Ökosysteme für das Leben auf der Erde wichtiger denn je sind, ist der Schutz der Wale und die Wiederherstellung gesunder Populationen nach Jahrzehnten der Ausbeutung nicht optional, sondern unverzichtbar.
